Worldwalker Andrej Raider

WALKING FOR PEACE

Erste Wahrnehmungen (Rio De Janeiro)

Posted on | April 19, 2009 | 1 Comment

Rafael verliess morgens das Haus. Zuvor sagte er mir, dass die Gegend garnicht so gefaehrlich ist, wie die alle sagen. Man hoere zwar jeden Tag Schuesse vor der Haustuer, sollte sich aber davon nicht abschrecken lassen.

Na dann ist ja alles in Ordnung, dachte ich mir.

Irgendwann ging ich auf die Strasse um mir von dem bisschen Reales, die ich noch hatte, etwas zu essen zu kaufen. Ich ging um 2 Ecken und beobachtete: Die Menschen sind alle fast kleidungslos. Selten eine weisse Haut zu sehn. Die Luft sehr feucht und riecht ganz anders. Man “schwitzt” auch dann, wenn es nicht heiss ist. Ich komme an einer Art Cafe an und setz mich draussen an die Tische. Ich trinke einen Kaffee, esse ein Broetchen und schon bald setzt sich eine brasilianische Familie (Vater, Mutter, Tochter, Sohn) einen Tisch weiter. Wir kommen ins Gespraech. Ich bitte den Vater, mir von diesem Land zu erzaehlen. Er erzaehlte los. Ich habe leider nur Bruchstuecke verstanden (Drogen, Banden, Schiesserei, Kokain, Polizei, gefaehrlich, boese, Morde, schoene Straende, warmes Wetter). Ich denke ich habe die Essenz verstanden und drehte mir auch sogleich eine Zigarette. Die um mich herum stehenden Leute wurden aufmerksam und beaeuegelten mich. Da riefen die Kinder sowas wie: “wow, schau mal er baut sich die selber”. Der Vater fragte, ob ich ihm zeigen koennte, wie das geht. Ich fuehrte nochmal vor und er lud mich zum Bier ein. Ein grosser, schwarzer Mann setzte sich an den Tisch: “Kannst du mir das auch zeigen?”. Voellig fasziniert schaute er mir beim drehen zu. Tatsaechlig hatte hier keiner Tabak zum selbst-drehen. Dies scheint hier recht unbekannt zu sein. Alle rauchen sie Filterzigaretten. Ich unterhielt mich ein wenig mit den Leuten. Vor allem aber waren die Kinder interessiert: “Wie heisst du? Woher kommst du? Sprichst du unsere Sprache nicht? Du siehst aus wie Michael Jacson”, usw.

Nach einer kleinen, netten Unterhaltung ging ich zum Supermarkt gegenueber und kaufte mir ein Paket Nudeln, die im Uebrigen furchtbar schmecken (im Gegensatz zu den Bananen).

Am Abend ueberlegte ich mir, wie ich hier mit einem Outdoor-Wanderrucksack aus Europa durchwandern soll, ohne entfuehrt oder ausgeraubt zu werden. Maschinengewehrschuesse. Irgendwo in der Nachbarschaft. Ich ging schlafen.

Am naechsten Tag werde ich wieder von Schuessen geweckt. Rafael ist auch wach und sitzt seelenruhig am PC. Ich gehe auf den Hof. Wieder Schuesse zu hoeren. Sogar Explosionen von Granaten. Schreie, Aufruhr und Huperei. Ich gehe hinein zu Rafael: “Bist du sicher, dass es hier sicher ist?”, “Joa”, antwortete er gelassen.

“Also wenn ich jetzt rausgehe, werde ich nicht erschossen?”, “Neeein, hier auf keinen Fall. Die Gegend ist ruhig und sicher”, sagt Rafael zeitgleich mit den wieder erklingenden Schuessen und Granatenexplosionen…

Ich mache eine Kopfbewegung zum Fenster und deute auf den Laerm.

“Ach das? Das sind nur Feuerwerkskoerper. Draussen wird gefeiert. Wir haben die Tage Fussball-Nationalmeisterschaften. Heute ist Finale und die Leute sind aus dem Haeuschen. Kommst du mit das Spiel gucken?”

Am naechsten Tag wollte ich mir Brasilien ansehen um zu sehen, wie es wirklich ist. Bin also mit Rafael in die Stadt. Und was ich dort erlebt habe, ist in Worte kaum beschreibbar.

Wir wanderten durch die Stadt. Kleine und grosse Einkaufsstrassen mit unglaublich guenstigen Produkten. Rafael fragte mich, wie ich denn ohne Geld wandern koennte. Ich erzaehlte ihm, von meiner “Pilgerschaft” im wahrsten Sinne des Wortes. “Das kannst du hier vergessen”, sagt er. “Die Leute hier klammern sich um jeden Cent. Es ist nie genug Geld da, um jemandem helfen zu koennen. Mit Glueck aber etwas zu Essen”.

Und in der Tat: Die Menschen auf dem Markt tun alles, um irgendwie an Geld zu kommen. Einige spielen das Huetchenspiel, andere versuchen kaputte T-Shirts zu verkaufen, andere singen und wieder andere laufen im Kreis und klatschen in die Haende. Kein Versuch, so sinnlos er auch scheint, wird ausgelassen, um Geld zu verdienen. Leute, die Fleier verteilen, rennen dir teilweise hinterher, damit du ihren Fleier nimmst.

Wir kommen am Strand an. Copacabana und Ipanema gehoeren zu den beruehmtesten Straenden der Welt.

Andrej + Schuhe

Andrej + Schuhe

Andrej am Strand Ipanema

Andrej am Strand Ipanema

Andrej und Rafael

Andrej und Rafael

Am Nachmittag ging es in den waldigen Bereich von Rio De Janeiro. “Der Zuckerhut”.

Ich betrat den “kleinen Jungle” und staunte ueber die Natur, die Lianen, neuartige Flora und Fauna, die Art und Weise wie Baeume und Pflanzen wachsen, neue Farben und Formen. Wie ein kleines Kind rannte ich durch diesen kleinen Jungle, immer bergauf, huepfte ueber Busch und Fels, kletterte an Baeumen und Kletterpflanzen hoch und beobachtete fasziniert die hier lebende Natur.

Affe (?)

Affe (?)

Ich huepfte weiter. “Schau da”, sagte Rafael, “Wir nennen es <Blumenkuss>”, ich schaute auf den Punkt, auf den Rafael deutete und traute meinen Augen nicht, als ich das erste mal in meinem Leben meinen Lieblingsvogel hautnah sah. Der kleine Kolibri, halb so gross, wie mein Daumen, schnappte sich ein vor sich kriechendes Insekt und flog in blitzartigen Zickzack-Bahnen direkt an mein Gesicht heran. 2 atemberaumbende Sekunden schwebte er in Augenhohe, 20 cm vor mir, bevor er auf die gleiche, blitzartige Zickzackweise mit seinem Mittagessen verschwand.

Auf dem kleinem Berg angekommen staunte ich ueber den Blick auf Rio De Janeiro.

Rio De Janeiro

Rio De Janeiro

Direkt vor mir der sogenannte Zuckerhut:

Andrej. Der Zuckerhut im Hintergund

Andrej. Der Zuckerhut im Hintergund

Und nicht zu vergessen, eines der neuen 7 Weltwunder: Die Christus-Statue Rios.

Christ der Erloeser

Christ der Erloeser

Ein Tag, an dem ich so viel zu bestaunen hatte, wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Comments

One Response to “Erste Wahrnehmungen (Rio De Janeiro)”

  1. Felix
    April 20th, 2009 @ %H:%M

    wow… krass…
    aber gut zu hören, dass du sicher untergekommen bist…
    naja.. ich wünsche dir eine sichere reise durch brasilien!

    lg,
    felix

    p.s. frag mich nicht wieso, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns wiedersehen werden… also glaube ich auch, dass dir nichts widerfährt ^^

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