Von Paradies zu Paradies (Rio De Janeiro – Paraty)
Posted on | May 1, 2009 | 3 Comments
Nachdem Rafael die Einleitung gemacht hat, kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus.
Nach diesen 3 Tagen fuehlte ich mich aber noch nicht bereit dazu, durch die neue Welt zu gehen. So landete ich auf der Couch von Eric und seiner Familie. Eric ist ein Amerikaner, der nun seit vier Jahren in Brasilien lebt.
Eine ebenfalls wunderbare Zeit. Eric hoerte meine Geschichten und erzaehlte seine. Er zeigte mir das typisch brasilianische Leben, den Basar, gab mir einige Geheimtipps, was Essen und Trinken angeht,…
Von ihm lernte ich das Leben in Brasilien etwas besser kennen, von Luciana, seiner Frau, die brasilianische Kirche und von Joshua, dem 2jaehrigem Sohn, die Sprache. Oft kam er mit einem Bilderbuch zu mir. Ich zeigte auf ein Bild und er sagte das Wort dazu. Kinder sind die besten Lehrer!
Eines Tages fragte mich Luciana, ob ich mir mal die Kirche ansehen moechte. Neugierig willigte ich ein.
Abends fuhren wir alle gemeinsam in die Kirche, die in einer der zahlreichen Favelas Rios stehen sollte.
Die Strasse war leer. Das einzige Licht, auf dem Weg zur Kirche, kam aus einem Haeuschen, das frueher wohl mal eine Garage gewesen ist. Doch nicht nur Licht kam aus diesem Haeuschen. Auch laute Musik und Stimmen feiernder Menschen. Wir parkten direkt an diesem Ort. “Oha, vor dem Kirchbesuch machen wir wohl einen Party-Abstecher”, dachte ich mir.
Wir gingen hinein. Weisse, Farbige, Schwarze, Kinder, Eltern, Grosseltern,… alles vertreten. Live-Musik, Tanz und Gesang. Laechelnde Gesichter. “Wer ist neu?”, fragte die Frau ganz vorn auf dem Podest. Unter ca. 60 Menschen erhob einer die Hand. Ich.
Und die Menge spricht: “Wilkommen in der Kirche. Gott segne Dich. Moegest Du immer wieder kommen.” Ich realisierte, wo ich war.
Es war eine bewegende Erfahrung, zu sehen, wie Menschen aus Favelas, Menschen die arm sind und fast nichts besitzen, so lachen, tanzen und singen koennen und das Leben feiern koennen und mein Herz fuer diese Menschen wuchs mit jeder Sekunde, mit der ich mich dort befand. Es war das erste mal in meinem Leben, dass ich mich in einer Kirche Gott naeher fuehlte, anstatt ferner.
Am naechsten Tag machte ich die ersten Schritte durch Brasilien.
Ich betrat die Strasse und machte mich auf den Weg zur Kueste. Dort laufe ich entlang, bis ich Santos erreicht habe. Ich fragte mich nach den ersten Schritten, was mich hier wohl erwarten wird. Die Antwort kam schnell: Ich richtete meine Augen auf den Boden und sah eine brasilianische Flagge vor meinen Fuessen. Diese haengt jetzt an meinem Rucksack.
Ich kam nach 35 km in Mangaratiba an. Ein traumhaftes Dorf, direkt an der Kueste. Meer, Berge, Waelder und freundliche Menschen, vereint an einem Punkt. Dieser Ort und eine sehr sympathische und interessante Person, namens Alexandre, hielt mich weitere 2 wunderbare Tage. Alexandre zeigte mir geniale Filme. Unter anderem zeigte er mit “The City Of God” und ich verstand zum ersten mal, was da in den Favelas Rios eigentlich los ist. Am letzten Tag, als ich, Alexandre und Luis, ein Kolumbianer, (ebenfalls eine wertvolle Begegnung. Dieser nahm mir die Angst vor Kolumbien) am Hafen des Dorfes sassen und ein gutes Essen genossen, hoerte ich Alexandre sagen: “gleich wird was in die Luft fliegen”. Mein Schluck Cola ist mir im Hals stecken geblieben, als eine Sekunde spaeter ein Boot, vielleicht 30 Meter von mir entfernt, mit einem lauten Knall und grossem Feuerinferno explodierte.
Nein, das sind keine Terroristen, und auch keine boesen Randale. Sylvester Stalone dreht hier “Den Missionaren”. Und da Sylvester Stalone in dem Film ist, muss natuerlich irgendwas in die Luft fliegen. Und ich war dabei!
Auf Empfehlung vieler Menschen, beschloss ich einen Abstecher zu Ilha Grande zu machen. Eine Insel, die “das Paradies” sein soll. Noch ein Paradies, dacht ich mir und stieg um 6 Uhr morgens ins Boot, das mich 1,5 Stunden spaeter auf die Insel transportierte. Und in der Tat: Es liegt Karibik-Atmosphaere in der Luft. Bildschoene Straende, klares, tuerkiesfarbenes Wasser, Palmen, kleine Jungles, und natuerlich (wie bisher ueberall) freundliche Menschen. Ich uebernachtete auf dem Camping-Platz und nahm am naechsten Morgen das Schiff nach Angre dos Reis, wo mich Camila, eine brasilianische Buddhistin empfing und einen Tag beherbergte. Wir quatschten, tauschten Chant-Erfahrungen aus und gingen abends feiern.
Am folgenden Morgen ging ich weiter. Ich wanderte bis Sonnenuntergang und erreichte ein winziges Dorf, mit einer Bar. An dieser hielt ich an und fragte, ob ich im Hof mein Zelt aufstellen koennte. Der freundliche Barbesitzer willigte ein, als ich erklaerte, dass es nur fuer diese Nacht sei. Ein spanischsprechender Brasilianer sprach mich an und wir kamen ins Gespraech. Ich erzaehlte ihm von meiner Reise und er lud mich zu sich nach Hause ein. Es wurde dunkel. Wir gingen ungefaehr 5 Kilometer in einen kleinen Jungle hinein und ich kam in einem weiteren Paradies an…
Der Jungle. Wortwoertlich! Exotische Pflanzen und Fruechte, Fluesse, Seen, Wasserfaelle, Felsen, Geraeusche von seltsamen Tieren aus den Bueschen und Baeumen. Und mitten in diesem wunderbaren Gewusel aus Leben, stehen Haeueser, erbaut aus Fels. Eine ganze Anlage, bestehend aus Jungle-Material. Zwischen Felsen, Seen, Palmen und Wasserfaellen, auf verschiedenen Anhoehen, in einer Lichtung stehend.
Reanalto, der Mann, der mich zu diesem Ort fuehrte, stellt mir einen Freund vor. “Das hat er erbaut”.
Ein kleiner, aelterer Mann, vielleicht zwischen 50 und 60, mit einer unbeschreiblichen Vitalitaet und Klarheit in den Augen, einem stillen, friedlichen Laecheln und innerer Ruhe. Der Gedanke, dass dieses Werk von Haenden einer einzigen Person erbaut worden ist, ist umwerfend. Schockierend. Gaensehauterregend. Ich wurde herumgefuehrt und bestaunte das Paradies. Sah Gaerten; Baumblaetter, die groesser waren, als ich; Wasserfaelle, die von einer Anhoehe fielen, die zu Baechen wurden, musterlinien zogen, sich in einem See (auch als Pool benutzbar) vereinigten und auf der anderen Seite wieder als Wasserfaelle eine weitere Anhoehe hinunterfielen. Ein wunderbarer Anblick, vorallem von der Haengematte aus, auf der hoechsten Ebene.
Auf dem Weg zu meinem Schlafplatz sah ich noch eines, das ich nicht so schnell vergessen werde: Eine Spinne, groesser als meine Hand, ruhte gemuetlich auf dem Boden, direkt vor dem Gebaeude, wo ich schlafen sollte. Ich nenne sie die Stoertebecker-Spinne. Und gleich wird man wissen, warum: Reanaltos Freund, noch immer ein Laecheln im Gesicht, zog seine Machete und zeteilte die Spinne mit einem Hieb in 2 Haelften. Die Spinne schien davon recht unbeeindrckt und ihre vordere Haelfte rannte einfach mit den noch dran haengenden Beinen weiter. Und noch immer nach dem zweiten Hieb. Erst, als sie in Scheiben geschnitten worden war, gab sie Ruhe.
An diesem Abend plauderte ich mit Reanalto ueber Gott und die Welt. Wir tranken Wein, tauschten Geschichten und Erfahrungen aus und genossen die Natur um uns herum. Ich verabschiedete mich am naechsten Morgen und setzte meine Wanderschaft fort.
35 Km ging ich, bis zu einem kleinen Dorf, wo ich mein Zelt aufstellte, und weitere 35 am Tag danach. Ich kam in Paraty an und traf Michel, einen franzoesischen Seemann, der in seinem Segelschiff, an der Bucht dieser ebenfalls traumhaften Kleinstadt lebt.
Hier bin ich nun, pausiere zwei Tage, geniesse die Menschen (aus aller Welt) in diesem Dorf, die Altstadt, die Kueste, den Strand, das warme Meereswasser, die Sonne Michels Gesellschaft und sein Seegelschiff, auf dem ich diese zwei Tage wohne und schlafe.
Comments
3 Responses to “Von Paradies zu Paradies (Rio De Janeiro – Paraty)”
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May 2nd, 2009 @ %H:%M
Nice to know you’re having fun and seeing great viewings in Brazil! Ilha Grande is really the paradise!
Good luck!
May 5th, 2009 @ %H:%M
Wow!
Mich freut sehr, was ich lese…all die intensiven Begegnungen und Gegenbenheiten vermitteln mir Reichtum in deinem inneren und äußeren Sein!
Hört sich vielleicht verrückt an, aber nach all dem, was in meiner momentanen Wirklichkeit so abgeht auch nicht verwunderlich…
ich fühle mich, jedesmal wenn ich von dir lese, fast so, als ob ich diese Dinge durch dich auch lebe…
so als wenn du nach all dem trotz dessen meinen Traum zu ende träumst. Ist ein abgefahrenes Gefühl, auf der einen Seite so nah…schmerzlich und auch freudig…auf der anderen Seite auch so weit weg von dem neuen Ich, dass in mir zu existieren begonnen hat.
Die Komplexität dieser hier abgegangenen, ungreifbaren Erfahrung überwältigt mich immer noch… wenn ihre Präsenz in mir anschwillt.
Doch da ist auch was Neues, Frisches am entstehen…mit einer anderen Form von Wärme und Glück…begrenzter und menschlicher, aber auch tief und wahr!
Ich kann jetzt ahnen zu altern und das Glück einer Mutter nachempfinden, im ganz geerdeten Sein…das, was mir sonst so fremd erschien.
Das ist beruigend und es kommt mir immer mehr so vor, als wenn ich eine andere Zeitlinie begangen habe und dabei…und das ist so ver-rückt daran…bewusst mitbekam, wie sich die andere Existenz meines Selbst im Tod vervollkomnete.
Manchmal kommt diese Existenz wieder sehr nah und dann empfinde ich noch immer ein Ziehen und das ängstigt und drängt mich zu gleich…
doch die Vorstellung in einiger vergangener Zeit zurück zu blicken, eröffnet mir eine Hoffnung auf Einblicke…Erkenntisee in größerer Klarheit und ich denke, das ist wertvoll.
Ich wünsche dir aus tiefstem Herzen ganz viel weitere Engel und Geschenke auf diesem großen Abenteuer und freu mcih über Neues zu hören.
May 14th, 2009 @ %H:%M
Also I am following your steps!