Worldwalker Andrej Raider

WALKING FOR PEACE

Die neue Welt (Rio De Janeiro)

Posted on | April 18, 2009 | No Comments

Wortwoertlich, eine neue Welt. Ich fuehle mich wie auf einem anderen Planeten.

Ankunft am Flughafen Rio De Janeiro. Waehrend des Fluges war ich unbeschreiblich nervoes. Ich verlasse sozusagen das erste mal Europa. Mal sehn, was mich erwartet.

Landung: Ich habe mich beruhigt. Was soll hier schon gross anders sein, dachte ich mir. Am Exit-Schalter zeige ich Pass und Rueckflugticket (das ich nicht benutzen werde) vor. Nach der vorgeschriebenen Impfung wird nicht gefragt. Ich passiere und befinde mich auf brasilianischem Boden. 22 Uhr. Habe nun vor die von google-maps angezeigten 3,9 km bis zu dem Kontakt, der mich an diesem Abend aufnehmen sollte, zu wandern. Komme am Ausgang an sogleich kommt ein Taxifahrer angerannt und fragt mich wo es denn hingehen soll. Ich sage ihm den Ort wo ich hin will und betone, dass es so nah ist, dass ich da zu fuss hingeh. Er sagt, ich soll mal am Taxi-Schalter fragen. Er sei sich naemlich nicht so sicher, ob das so nah ist. Ich gehe zum Taxi-Schalter und frage. Die Frau am schalter sagte: Erstens liegt der Ort ueber 30 Km von hier entfernt und zweitens gibt es dorthin keine Fussweg-Verbindung. Ein regulaires Taxi kostet 105 Real. (Mein gesamt-Budge: 140 Real). Ein Bisschen aus der Fassung gehe ich zum Taxifahrer. “Ich machs fuer 85″ sagt er. Ich steig ein.

Er stellt sich als Fabio vor und faehrt los. Und jetzt schon lernte ich die ersten Unterschiede zwischen Europa und Suedamerika. Strassenverkehrsordnung ist hier ein Fremdwort…

Fabio gab Gas, kuerzte durch eine Einbahnstrasse in verkehrter Richtung ab, bis er auf die Hauptstrasse kam. Da Stau war, beschloss Fabio einfach auf dem Buergersteig durchzubrettern und nach einiger Zeit quetschte er sich zwischen zwei Fahrspuren ein und fuhr, solange es moeglich war auf der Leitlinie entlang. Den Busfahrer, der Vorfahrt hatte, schreckte er einfach ab, indem er nicht bremste. Interessiert beobachtete ich seinen Fahrstil, der sich aber nicht gross von den anderen Autofahrern unterscheidete. Dinge, wie Fahrstreifen, Verkehrsschilder und sogar Ampeln, dienen hier lediglig zur Strassendekoration. Ampeln werden wenigstens etwas beachtet: Bei gruen: durchrasen. Bei rot: Vorher zur Sicherheit nochmal links und rechts gucken und durchrasen.

Nach 10 Minuten Fahrt wird Fabio langsamer und faehrt rechts ran. “Sorry, wir muessen jetzt anhalten”, sagt er. Ich schaue aus dem Fenster einem auf mich gerichteten Maschinengewehrlauf entgegen. Zwei schwer bewaffnete Typen holen Fabio aus dem Auto. Die Polizei. Sie durchsuchen ihn. Einer von ihnen schaut durchs Fenster zu mir und fragt mich ob es sich um eine Entfuehrung handelt. Ich bestaetige, dass ich nur ein Taxi-Kunde bin, der zu seinem Schlafplatz moechte. Kurz darauf werde auch ich rausgeholt, durchsucht, gefilzt und mein Rucksack wird untersucht. Alles ok, wir koennen weiterfahren…

Und das tun wir auch. Nach einer halben Stunde Fahrt beginnt Fabio zu verzweifeln. “Wo ist denn diese verdammte Strasse?” Er macht 5 oder 6 Anrufe und fragt, wo diese Strasse sein soll. Keiner weiss es. Er faehrt durch kleine Gassen und (Ghetto)Viertel und haelt immer wieder an, um nach dem Ort zu fragen. Keiner kennt diesen Ort. Es wird lediglig spekuliert: “Versuchs mal in die Richtung”. Ich war froh, dass wir uns auf ein Festpreis von 85 Real geeinigt haben, denn der eigentliche Preis wuerde jetzt sicher bei 200 liegen. Irgendwann faengt Fabio mit Selbstgespraechen an und Fluchte auf elegantem brasilianischem portugiesisch vor sich hin. Mein Beduerfniss zu lachen kompensierte meine Sorge, wo ich denn wohl heute nacht landen wuerde, wo ich schlafen wuerde und ob ich sie ueberleben wuerde.

Das bestimmt zehnte mal haelt Fabio an und schrie schon beinahe die Passanten an: “Wo ist diese Strasse, verdammt nochmal???”. Er stieg aus und redete mit den an der Bar sitzenden Menschen. Sie alle waren uebrigens halbnackt, weil wir es hier (nebenbei) 25 Grad haben. Und das um Mitternacht. Ich stieg auch aus und hoerte den Menschen zu, als sie sich schliesslich darauf einigten, dass diese Strasse nicht existiert. Ich setzte mich zu den Menschen, die mich jetzt fragten, wer ich denn eigentlich bin. Ich sagte ihnen, dass ich Wanderer bin und nur zu meinem Kontakt, Rafael moechte und am naechsten Tag weiterwandern, und wenn es diese Strasse wirklich nicht gibt, dann suche ich nach einem relativ sicherem Schlafplatz. Einer sagte sowas wie: In Brasilien draussen zu schlafen ist genau so sicher, wie mit Nitro-Glyzerin Trampolin springen. Sie appelierten, dass ich in ein Hotel gehe. Ich sagte ihnen, dass mein Gesamtbudge 140 Real betraegt. “WAAAS??????”, hoerte ich Fabio schreien. Voellig ausser sich begann er im Kreis zu laufen. “Er muss wieder nach Deutschland, ich muss ihn zurueck zum Flughafen bringen, Scheisse, was mach ich denn jetzt, er wird sterben und die Polizei wird hinter mir her sein.” usw. Er schnappte sich das Telefon und begann zu telefonieren.

Inzwischen hat sich das halbe Viertel versammelt und hielt eine Diskussion, wie man mir jetzt noch das Leben retten koennte. “Er schlaeft bei mir”, “Nein, bei mir”, “Er kann auch bei mir im Auto schlafen”, “Nein, zu gefaihrlich, er muss aus der Gegend raus”. Ein spanisch-sprechendes Maedel gesellte sich zu mir: “Du bist hier in der gefaehrligsten Gegend. Du hast Glueck, dass du uns getroffen hast. Die Leute hier kidnappen, foltern, koepfen, erschiessen, vierteilen und toeten dich”. Ich schwieg ne Runde und sagte schliesslich: “ok… Und nu?”

“Du kannst bei dem Mann schlafen”, sie deutete auf einen der Leute, die mir ihren Schlafplatz anboten, “Und dann komm ich dich morgen abholen und bring dich zu meiner Wohnung und ueberzeuge dich, dein Vorhaben aufzugeben, du Wahnsinniger.” Ich antwortete freundlich: “Du kannst es gerne versuchen”.

Eine Frau mischte sich ein. “Aber du kannst nur bei uns bleiben, wenn du keine Drogen dabei hast. Hast du Drogen?”, ich verneinte. “Keine Drogen?”, “keine Drogen”, bestaetigte ich. “Garkeine??”. Sie wollte, dass ich ihr von meinem Tabak eine Zigarette drehe, um sicherzugehen, dass da nichts drin ist. Sie rauchte die Zigarette und gab ihr OK dazu.

Da kam Fabio angesprungen, der gerade sein Telefonat beendete: “Ich weiss wo es ist!!!”, “Gut, gehen wir dahin”, sagte einer. “Aber es ist kurz vor 2 nachts”, warf ich ein. “Egal, wenn er dich kennt, bist du bei ihm am sichersten”. Ich stieg mit Fabio Alexandro und seiner Frau ins Auto. Wir fuhren los und zurueckgelassen wurde eine kleine Gemeinschaft, die nun dabei war zu plaudern und sich kennenzulernen. So wie auch Fabio und Alexandro, die sich im Auto waehrend dieser kurzen Fahrt bestens verstanden und zu Freunden wurden.

Wir kamen an. Ein Haus mit einem kleinen Hof. Umzaeunt. Davor ein grosses, eisernes Tor. Fabio klingelte. Er klingelte nochmal und nochmal. Fabio war ganz ausser sich. Er war ganz in der Mission drin, mich da rein zu kriegen. Sie fingen an gegen das Tor zu donnern. Die Hunde der ganzen Nachbarschaft bellten. Alexandro schlug immer doller gegen das Tor und versuchte ihn rauszurufen.

Ich stellte mir in dem Moment vor, wie ich mich fuehlen wuerde, wenn ich in einer unsicheren Gegend, wie dieser leben wuerde und jemand nachts um 2 auf meine Tuer einschlaegt und dabei schreit: “Andreeeeej, los, komm raus!!! Deine Freunde sind daaa!!!!”…

Ich habe nicht mehr daran geglaubt, aber tatsaechlig oeffnete er nach einer viertel Stunde die Tuer. Als er bestaetigte, dass er der Kontakt ist, von dem ich sprach, atmete Fabio erleichtert aus, erzaehlte kurz von der abenteuerlichsten Taxi-Fahrt seines lebens und verabschiedete sich mit den anderen. Ich wurde zu Rafael eingelassen.

Good Bye Europa (Fatima – Lissabon)

Posted on | April 15, 2009 | 1 Comment

Irgendwie haben wir es geschaft ein Foto zu machen.

Wir naeherten uns Lissabon.

Der moeglicherweise letzten Station Europas. Waehrend des Wanderns machte ich mir schon mal Gedanken, was der naechste Schritt sein koennte… Den ganzen Hafen absuchen und durchfragen. Kann ich nicht anheuern, so suche ich nach der guenstigsten Ueberfahrt. Wenn dies zu teuer ist, muss es wohl oder uebel ein Flug sein. Wenn auch dieser nicht bezahlbar ist, such ich mir einen Job. Finde ich keinen Job in Lissabon, geh ich nach Faro und suche da. Wenn sich auch da nichts ergibt, dann ab nach Spanien, da werd ich was finden……

So wanderte ich und mein Kopf qualmte. Wenn Plan A nicht aufgeht, so wird es Plan B sein, oder C oder D, etc. Aber irgendwie komm ich schon rueber!

Wir schliefen in Alcanena, wie immer, bei der Feuerwehr und gingen am naechsten Tag (ziemlich weit) nach Santarem. Wir kamen nachts in einer Bar an und fragten nach der naechsten Uebernachtungsmoeglichkeit. Der junge Barkeeper gab uns Speis und Trank (was bitter noetig war) und sagte uns, dass es zur Feuerwehr-Station noch 10 Km sind. Gluecklicherweise irrte er sich. Es waren doch nur 9…

Absolut am Ende kamen wir in Santarem an und fanden (nach mehrmaligem Verlaufen) endlich die Feuerwehrstation. Der Empfangsraum war eine Bar, mit Kundschaft. Der betrunkene Barkeeper torkelte um die Theke herum und fragte, was wir wollten. Ich erklaerte. “Es dificil”, lallte er nach langem Ueberlegen und taumelte kommentarlos die Treppen hoch, in einen anderen Raum. Kurze Zeit spaeter kam er mit einer (ebenfalls betrunkenen) Feuerwehrfrau wieder, der ich alles nochmal erklaeren sollte. Sie schien mich verstanden zu haben. Kichernd brachte sie uns in einen grossen Saal, wo wir auf Matratzen schlafen konnten. Sie erklaerte uns etwas mit einem Mix aus franzoesisch und englisch und kicherte immer dabei. Leider habe ich nichts verstanden. An der Wand lief eine kleine Eidechse entlang. Die Frau entschuldigt sich dafur und sagte sie wuerde das Problem sofort beseitigen. Sie nahm einen Holzbalken und schlug damit auf die Eidechse ein (und kicherte dabei). Dann taumelte sie aus dem Raum. Ich war geschockt.

Recht ruhig und unspektakulaer verlief die Reise weiter nach Cartaxo. Die Feuerwehrstation hatte einen grossen Raum fuer uns, in denen 2 Tafeln standen. Wir legten unsere Sachen ab und jeder ging seiner Lieblingsbeschaeftigung nach:

Der Unterschied zwischen maennlich und weiblich.

Der Unterschied zwischen maennlich und weiblich.

Am naechsten Tag gings nach Azambuja, wo uns ein hilfsbereiter Mensch von Kap Verde, namens Nataniel, zum Essen einlud. “Solltet ihr je nach Kap Verde kommen, meine Tueren stehen fuer euch offen”. Er gab uns ein paar Euro. Wir gingen weiter und schliefen in Vila Franca de Xira bei der Feuerwehr.

Immer der Hauptstrasse entlang ging es weiter nach Lissabon. Die erste Sehenswuerdigkeit, die ich sah war die laengste Bruecke Europas: Die Ponte Vasco de Gama, mit 17,2 Km laenge. Beinahe eine Tagesetappe.

Wir hatten eine Couch in Lissabon. Diese mussten wir jedoch erstmal finden. “My flat is small, dirty and always full of people. This is not a joke! Most of the time there is no space inside, but you could camp outside if you want”, schrieb der Couch-Eigentuemer, Joao. Recht gespannt auf diese Couch kamen wir endlich in seiner Strasse an. Sehr kommerziell, voller kleiner Laeden. Eher eine Einkaufsmeile. Doch tatsaechlich Zwischen Gemueseladen und Blumengeschaeft, eine kleine unscheinbare Tuer. Wir klingelten und wurden von einem Haufen englisch-sprechenden Menschen Empfangen. Und in der Tat: Eine 1,5-Zimmer-Wohnung, wo bis zu 15 Leute beherbergt werden. Geschlafen wurde da, wo grad Platz war, oder draussen im Garten in einem Zelt.

Wir kamen am 1. April bei Joao an und genossen die Zeit, an der fast jeden Tag neue Leute kamen und gingen. Deutsche, Kanadier, Amerikaner, Schweden, Letten, Chinesen, Italiener, u.s.w.

Wir kochten gemeinsam, feierten gemeinsam, sassen draussen am Feuer, tauschten Geschichten und Erfahrungen aus. Ich arbeitete nebenbei als Heilpraktiker bei Joao, dem Nachbarn von Joao (beide heissen Joao) und  verdiente mir etwas Geld um etwas zu der Gemeinschaft beisteuern zu koennen.

Nebenbei trieb ich mein Unwesen am Hafen von Lissabon und fragte ueberall nach Schiffen, die nach Sued-Amerika fahren. Keiner schien irgendwas zu wissen. Ich habe sehr gestaunt, als mir sogar die “Hafen-Administration von Lissabon” sagte, sie habe keine Ahnung, ob es Schiffe gaebe die von Lissabon nach Sued-Amerika fahren. Man gab mir tausend Addressen und ich klapperte eine nach der anderen ab. Eines Tages hatte ich einen Termin mit einem Kommandanten. Ich tauchte auf und sagte, dass ich mit ihm sprechen moechte. Die hoechst unfreundliche Sekretaerin versuchte mich so schnell wie moeglich abzuwimmeln. Sie sagte er sei nicht im Haus. Ich liess nicht locker. Schliesslich rief sie ihn an und ich bekam den Hoerer. Ich fand raus, dass es keine Passagierschiffe gibt, die nach Sued-Amerika fahren. Im ganzem Land nicht! Nur Frachter. Auf diesen koenne ich nur arbeiten, wenn ich rfahrung und Lizensen habe (die ich natuerlich nicht habe).

Ich wollte mich nicht zufrieden geben. Ich ging zu den Doks, wo der Hafenmeister seinen Sitz hatte. Diese waren abgezeunt und mit einem Zahlenkode gesichert. Ich wollte gerade anfangen zu fluchen, da hoere ich hinter mir: “Drei, Zwo, Vier, Zwo, Fuenf, A”. Ich drehte mich um. Ein deutscher Seemann stand hinter mir, vollbeladen mit Tueten, die er offensichtlich auf sein Boot bringen wollte. Ich gab den Code ein und die Pforte zum Hafenmeister oeffnete sich. Der deutsche Seemann sprang auf sein Boot und seegelt froehlig nach Frankreich und ich ging froehlig zum Buero des Hafenmeisters. Ueberraschenderweise, fragte er mich nicht mal wie ich da reingekommen bin und beantwortete mir freundlich meine Fragen. Leider waren dies nicht die Antworten die ich hoeren wollte. Tatsaechlig gab es keine Moeglichkeit.

Nach einer Woche des Versuchens war Plan A gescheitert. Naechste Option: Guenstiger Flug.

Ich wusste, dass ich von der Baugenossenschaft, die ich gekuendigt habe, eine Summe von mindestens 300 Euro zurueckerstattet bekomme. Und noch eines wusste ich: Tief in meinem Rucksack, in der geheimsten Geheimtasche vergraben, wartete eine Summe von weiteren 300 Euro auf mich. Eine Summe, die mir ein Freund gab, eine meiner wertvollsten Begegnungen auf diesem Weg. Doch diese Summe war fuer nichts anderes existent, als fuer das Ticket nach Brasilien. Nur dafuer sollt es ausgegeben werden. 600 Euro also insgesammt.

Ich ging durch die Reisebueros und suchte nach dem guenstigesten Angebot. Und das guenstigste Angebot war ein Flug am 17.04.09. nach Brasilien, Rio De Janeiro. Der Preis: Exakt 600 Euro.


Machs gut, Europa. Vielen Dank an all die Menschen, die mir dies ermoeglicht haben Die Reise geht weiter….

N 109 (Viana do Castelo – Fátima)

Posted on | March 26, 2009 | No Comments

Leider ist uns die Kamera kaputt gegangen und die Fotos sind geloescht. Daher wird es in diesem und vielleicht auch im naechsten Blog-Eintrag keine Fotos geben. (Aktualisierung: Ich habe noch ein paar Fotos im Speicher gefunden)


Nach einem laengerem Aufenthalt in Viana ging es weiter Richtung Esposende, was wir nicht erreichten. Am Abend bekamen wir einen Haenger und vernichteten zunaechst die Weinflaschen, die wir noch von den Jaegern hatten. Wir stellten das Zelt auf einem Parkplatz eines Restaurants auf, passierten am naechsten Tag Esposende und gingen bis zu einem kleinem Dorf, Estela. An einem 4-Sterne-Hotel angekommen wollten wir fragen, ob wir auf dem Parkplatz schlafen koennten, kamen aber dann mit den Rezeptionisten ins Gespraech. Diese waren recht begeistert von diesem Projekt und liessen uns in einem Zimmer schlafen.

Hotelzimmer in Estela

Hotelzimmer in Estela

Am naechsten Tag, in Povoa de Varzim, begann die Zeit der Bombeiros (Feuerwehr). Ab diesem Punkt haben wir fast jeden Tag bei den Feuerwehrstationen geschlafen. Mal in einem Bett, mal auf der Matte, doch warm und trocken war es immer und die Feuerwehrmaenner/frauen freundlich und hilfsbereit. So auch am folgenden Tag in Vila do Conde. Wir beschlossen schliesslich einen etwas laengeren Autobahn-Marsch zu machen und erreichten am darauf folgenden Tag Porto, wo wir 2 Naechte auf der Couch von 3 wunderbaren Maedels: Carmo, Monica und Catarina, verbrachten.

In Porto

In Porto

Wir kamen recht spaet aus Porto raus. Die Sonne ging bereits wieder unter. In einer kleinen Stadt, Gaia, bekamen wir wieder Speis und Trank in einer Bar und wurden wiedereinmal von der portugiesischen Hifsbereitschaft reich beschenkt und mit Geld beworfen. Eine dieser hilfsbereiten Menschen, eine Frau, begleitete uns einige Kilometer zu der naechsten Feuerwehrstation und donnerte dort so lange gegen die Tueren, bis man uns oeffnete und uns dort schlafen liess.

Wir erreichten Espinho und ab diesem Punkt verlief unsere Wanderschaft ausnahmslos ueber die Nationalstrase N 109.

150 Km lang N 190… Ich habe die Motorgeraeusche immernoch im Ohr…

Recht unspektakulaer ging es weiter durch Ovar und Estarreja, bis wir nachts in einem kleinem Dorf, Salreu, beschlossen, aufgrund von staendigem Auftauchen seltsamer Gestalten, lieber nicht mehr die geplanten weiteren 10 km durch die Nacht zu gehen. In einer ziemlich grossen Bar, wo wir beim Eintreten von der Kundschaft seltsam angestarrt wurden, fragten wir, ob wir auf dem Parkplatz schlafen duerften. Die sehr freundliche Frau gab uns einen gigantischen Teller Huehnchen mit Reis und Pommes und liess uns auf dem Hinterhof schlafen. Es gab auch gutes Fruehstueck, wir erzaehlten von unserem Marsch und die Leute, die uns am Abend davor noch abwerten beaeugelten verabschiedeten sich von uns mit Glueckwuenschen und kleinen Geschenken.

In Aveiro ueberfiel uns die Hitze, so dass wir am naechsten Tag nur bis Ilhavo, das 5 Km weiter lag, kriechen konnten. Hier faellt mir das erste mal auf, dass die Menschen, je weiter wir in den Sueden gehen, immer lauter und unruhiger werden. Gesellschaft ist oft eher anstrengend.

Zwischen Nationalstrasse und Autobahn, wo es von Storchnesten wimmelte, ging es immer weiter bis zu einer grossen Stadt, Figuera da Foz, wo ich eigentlich laenger bleiben wollte. Doch diese Stadt, so gross sie auch war, hatte nicht viel fuer uns. Kein bequemer Schlafplatz, kein Essen, wenig Hilfe. Wir sassen in der Bar “Keep Walking” und beschlossen am naechsten Tag weiter zu gehen.

Vagos. Wiedermal ein kleines Dorf, wo uns eine Hand voll Maenner auf ein Bier einluden und uns dann den Weg zum Roten Kreuz zeigten, wo wir an diesem Abend essen und schlafen. Ab diesem Punkt wurden wir ueberall als Fátima-Pilger gesehen (In der Tat wollten wir Fátima besuchen). Mir wurde erzaehlt, dass viele Menschen durch die Wanderung nach Fátima von ihren Krankheiten erloest worden sind. Wir scheinen diese Krankheiten nun wieder aufgesammelt zu haben: Je naeher wir Fátima kamen, um so kranker wurden wir. Diesen Teil des Weges habe ich als schwer und herunterziehend empfunden.

Eines Tages, nach einem laengerem Marsch, suchten wir einen Platz, der zum Zelten geeignet waere, fanden aber keinen. Da die Kraft fehlte, weiter zu suchen, beschlossen wir einfach auf einem Ackerfeld, direkt an einer Hauswand zu schlafen und zu hoffen, dass uns die Bauern nicht fruehzeitig finden. Wir bauten das Zelt auf, wir schliefen…

Am Morgen, als ich aus dem Zelt kroch, sah ich in naher Ferne die Baeuerin auf dem Feld stehen. Sie sah mich an und schrie irgendetwas zu mir rueber, was ich natuerlich nicht verstand. Sie rannte zu einem Orangenbaum und begann hysterisch Orangen zu pfluecken und sie in einen Beutel zu tun. Ich rief Janina aus dem Zelt und warnte, dass die veraergerte Baeuerin uns gleich mit Orangen bewerfen wuerde, um uns von ihrem Acker zu verjagen. Ich begann, so schnell ich konnte, das Zelt abzubauen, doch es war zu spaet. Die Baeuerin kam mit ihrem Beutel angelaufen und ich bereitete mich auf akrobatische Ausweichmanoever vor. Doch sie gab uns den Beutel voller Orangen als Wegproviant und freute sich nur, dass ihr Feld uns jungen Fátima-Pilgern als Schlafplatz dienen durfte. Mit Glueckwuenschen und Orangen gingen wir weiter und kamen schliesslich und endlich in Fátima an.

In Fátima, wo der Hoehepunkt unseres Krankheitszustandes erreicht wurde, verbrachten wir eine Nacht auf einem Parkplatz und zwei weitere in einer sehr unsypathischen, christlichen Pilgerherberge, wo Maenner hungern durften, weil die Kueche im Frauenabteil war, und Frauen sich langweilen durften, weil der Gesellschaftsraum im Maennerabteil war. Wir durften unter keinen Umstaenden den jeweils anderen Abteil betreten. Um 22 Uhr wurden die Frauen in ihrem Block eingesperrt und konnten nicht mehr raus. Die Maennerdusche war so verdreckt, dass ich sie erstmal vor dem Gebrauch putzen musste. Essen gabs nicht. Der Hospitalero war hoechst unfreundlich. Dennoch mussten wir dort 2 Naechte verbringen, um uns einigermassen auszukurieren. Seltsamerweise hat es nicht viel gebracht.

So verliessen wir nach 3 Naechten Fátima und wurden mit jedem Schritt gesuender, mit dem wir uns von diesem Ort entfernten.

Erste Schritte durch Portugal (Valencia-Viana do Castelo)

Posted on | March 1, 2009 | 2 Comments

Wir wanderten durch Valencia, mit Neugierde die portugiesischen Menschen anschauend. Nach Unterschieden suchend, doch keine grosse findend. Wir hielten ausschau nach der Herberge und gingen weiter den Weg entlang. Schliesslich fuehrte der Weg komplett aus der Stadt raus, was bedeutete, dass es wohl keine Herberge gab. Zumindest keine, die auf dem Weg lag. Das hiess: Draussen schlafen. “Nun gut, es ist ja inzwischen recht warm”, dachte ich mir. Wir gingen einige Kilometer weiter und erreichten schliesslich ein kleines Dorf, wo wir unser Zelt auf einer grossen Wiese aufschlugen und uns auf den Suche nach Essen machten. An einer Tankstelle angekommen, fragten wir nach. Die Antwort des Tankwarts: “Ihr bekommt garnichts!… hoechstens diese grosse Chipstuete.”

In der Bar nebenan bekamen wir Kaffee und gingen so nicht ganz so hungrig schlafen. Ich verkroch mich in mein Schlafsack, bekleidet mit tausend Sachen, und wartete darauf, dass es waermer wird. Doch es wurde nur kaelter und kaelter. Es wurde schliesslich unertraeglich kalt, so dass Schlaf nicht moeglich war. Als es dann noch kaelter wurde, schon so kalt, dass es schmerzte, begann ich mich zu waelzen und zu bewegen, um meinen Kreislauf in Gang zu halten. Und so ging das, bis zum Sonnenaufgang. Ich kroch aus dem Schlafsack, ging hinus und schaute mir das Zelt an:

Vereistes Zelt

Vereistes Zelt

Als die Vormittagssonne das Zelt auftaute, begannen wir, es abzubauen. Da kam ein Pilger heiter des Weges und gruesste uns. Seit Santiago der 3. Pilger, dem wir begegnen. Erwin aus Belgien. Wir tauschen uns aus, und seine Heiterkeit ist ansteckend. Die Kaelte der letzen Nacht ist vergessen. Einen Moment spaeter kommt ein weiterer Piger den Feldweg entlang. Dieser macht einen etwas verrueckten aber dennoch sehr sympathishen Eindruck. Joseph aus Fatima, der seit 7 Jahren wandernd auf den Jakobswegen lebt. Nach heiteren 15 Minuten gehen die beiden des Weges. Und wir.

Wir versuchen es mit einer “Abkuezrung”, die unseren Weg fuer diesen Tag um geschaetzt 10 Km verlaengert. Wir gelangen in ein von Unkraut und Bueschen verwildertes Gebiet und kaempften uns durch Dorn und Geaest und entdeckten schlieslich einen Bergspalt. Innen: Finsterniss. Wir schnappten uns eine Taschenlampe und gingen unserer Abenteuerlust nach, die uns 30 Meter in diesen Bergspalt hinein trieb, bis wir schliesslich an einer Sackgasse ankamen. Eigentlich eine wunderbare Uebernachtungsmoeglichkeit.

Bergspalt. Von innen mit Blitz geschossen

Bergspalt. Von innen mit Blitz geschossen

Letztendlich kamen wir in einem Dorf an, in dem es eine Herberge gab. Kostenlos. Das warme Bett war gesichert. Auf der Suche nach Essen gingen wir in eine Bar, unterhielten uns ein wenig mit den Barkeepern und bekamen schliesslich ein 3-Gaenge-Menue inklusive Freundlichket. Mit vollem Magen gingen wir ins Bett und erhielten am naechsten Tag in einer weitere Bar zum Fruehstueck ebenfalls ein 3-Gaenge-Menue. Dies wiederhote sich noch einige male, so dass ich sagen muss, dass ich nie zuvor einer solchen Gastfreundlichkeit begegnet bin, wie hier in Portugal.

Angekommen in Ponte De Lima, beschlossen wir, zu bleiben, um Janinas Knie entgueltig zu regenerieren. Man lies uns die erste Nacht in der Jugendherberge schlafen, die sehr kompfortabel war. Die zweite Nacht durften wir immerhin auf dem Parkplatz der Jugendherberge schlafen.

Janina&Zelt auf Parkplatz einer Jugendherberge

Janina&Zelt auf Parkplatz einer Jugendherberge

In diesen 2 Tagen suchten wir nach einer Couch in Ponte de Lima. Kein Erfolg. So gingen wir weiter.

Wir marschierten Richtung Sueden. Janina kam es in den Sinn nach Viana do Castelo zu gehen. Es liegt weiter im Westen, nicht auf unserem Weg und direkt am Meer. Ich wollte da auf keinen Fall hin. Ich hatte definitiv genug vom Meer und wollte keine unnoetigen Kilometer mehr machen.

Schuesse. Wir kamen an eine kleine Wiese, wo 10 mit Gewaehren bewaffnete Maenner in Gruen sassen und feierten. Einer von ihnen rief zu uns rueber, ob wir ein Bier wollten. Wir setzten uns zu den Jaegern, wurden mit Fleisch vom Grill, Brot, Bier und Wein gefuettert. Es wurde geplaudert und gelacht. Unter ihnen war ein Luxemburger. Christoph, der gelegentlich zwischen uns und den Jaegern dolmetschte. Sie luden uns ein, mit ihnen auf die Jagt zu gehen. Wir stimmten ein und ich erlebte somit meine erste Jagt. Voegel habe ich nicht geschossen, aber immerhin einen Ast vom Baum.

Wir verabschiedeten uns von dem froehlichem Haufen und zogen weiter mit 2 Flaschen Wein im Rucksack. Die Sonne ging unter und wir kamen an eine Bar, wo wir pausierten und spaeter die Erlaubniss bekommen haben, nach Feierabend in der Bar zu schlafen. Am naechsten Tag ging es weiter. Und der Weg fuehrte uns genau dahin, wo ich nicht hinwollte: Viana do Castelo.

An dem Tag habe ich mich oeffters verlaufen, bin durch Suempfe, Waelder ohne Wege und Autobahnen gelatscht, und habe ca. 25 unnoetige Kilometer zurueckgelegt.

In Viana empfingen uns die sehr freundliche Feuerwehr und lies uns 3 Naechte bei ihnen auf der Station schlafen (Im Fitness-Raum). In dieser Zeit fanden wir eine Couch. Ein gigantisches Haus mit einem gigantischen Garten, direkt am Meer, bewacht von 6 gigantischen Hunden. Wir verbrachten dort entspannende 3 Tage. Danke an Rita!

Nun moechte ich so schnell wie moeglich nach Porto. Weiter Richtung Sueden. Und der schnellste Weg dorthin geht am Ozean entlang.

Sonnenuntergang am Meer

Sonnenuntergang am Meer

Das erste Licht (Pontevedra-Valencia)

Posted on | February 26, 2009 | 1 Comment

Freudig ging es aus Pontevedra hinaus, von Sonne begleitet. Oft sind wir irgendwo stehen/sitzen/liegen geblieben, um einfach mal Sonne zu tanken, so dass wir ziemlich spaet in der Kleinstadt Arcade, in einem Park gezeltet haben, nachdem uns die Kirche (recht angewiedert von uns) ihre Hilfe verweigerte (und das nicht zum ersten male).

Janina & Zelt

Janina & Zelt

Am naechsten Tag ging es weiter nach Redondela, wo es auch eine Herberge gab, in die wir aber nicht rein kamen, da uns die noetigen 6 € fehlten. Nachts durchstreiften wir die Stadt, auf der Suche nach einem moeglichem Schlafplatz. Nichts. Wir beschlossen die Stadt zu verlassen und draussen zu schlafen. Es war eine kalte Nacht, aber wir hatten keine andere Wahl. Auf dem Weg gingen wir an einer Englisch-Schule vorbei, in der tatsaechlich noch zu der Zeit unterrichtet wurde. Wir betraten den Eingangsraum. Der Lehrer verlies die Klasse und kam uns freudig entgegengesprungen: “Hello, you speak English? Perfect! What´s cooking?!” Wir erklaerten ihm unsere Lage. “Alright, come with me into the classroom.” Wir betraten einen klassenraum mit 6 verdutzten Schuelern und wurden als Lehrmaterial benutzt: “This guys have a problem. They look for a place to sleep. Does anyone of you know any place?”. Schweigen. “Come on! Any place to sleep.” … “Albergue?” kam von einem…

Nach ca. 10 Minuten Englisch-Unterricht gab uns der Lehrer 6 € und wir konnten in der Herberge schlafen.

Am folgenden Morgen verliesen wir den Camino Portugues, weil dieser nicht ueber Vigo ging. Wir aber wollten Vigo besuchen. Ein sehr schoer, sonniger und harmonischer Weg.

In Vigo haben wir sehr kurzfristig eine Couch (ueber Couchsurfing) fuer 2 Naechte bekommen. Eindruecke von Natur, Grossstadt, Meer, Gesellschaft und Nachtleben nahmen wir mit. Vielen Dank an Alba und Roberto.

Vigo

Vigo

Von Vigo aus ging es schliesslich nach Porrinho und von dort aus nach Tui, zu der Grenze, die Spanien von Portugal trennt. Zumindest war das der Plan. Gekommen ist es anders…

Als der Tag begann, kuendigte ich eine gemuetliche 8 Km-Wanderung an. Und zwar im Flachen. “Wir steigen heute um 30 Hoehenmeter”…

Wir haben es wirklich geschaft, uns zu verlaufen, und sind vom Camino Portugues auf den GR65 gekommen. Dieser fuehrte uns Kilometer und Kilometer weit durch Doerfer, Waelder und Berge mit hunderten von Abzweigungen, so dass wir bald nicht mehr wussten, wo genau wir uns eigentlich befinden. Ausserdem sind wir um 600 Hoehenmeter gestiegen und haben geschaetzt 25 Km zurueckgelegt. Waehrend ich die ganze Zeit am Fluchen war, weil wir staendig im Kreis gelaufen sind und unserem Ziel schliesslich ferner, statt naeher gekommen sind, war Janina begeistert und ueberwaeltigt von der Landschaft, die sich uns dort gezeigt hat (die zugegeben wirklich schoen war).

Sonnenuntergang im unbekannten Gebirge

Sonnenuntergang im unbekannten Gebirge

Weg ins Unbekannte

Weg ins Unbekannte

Nach einer Nachtwanderung wurde in einem Dorf geschlafen, wo uns die Besitzer der einzigen Bar, den Speisesaal als Schlafplatz angeboten haben. Nach einer guten Erholung, sind wir dann am naechsten Tag Gott sei Dank endlich in Tui angekommen. Als wir wiedermal keine Hilfe bei der Kirche fanden, wurden wir von der Freundlichkeit der Menschen, die man auf der Strasse trifft empfangen, die es uns wiedermal ermoeglichte in einem warmen Bett zu schlafen.

Und schliesslich kam der Tag, auf den ich lange gewartet habe:

Andrej auf der Bruecke, die nach Portugal fuehrt

Andrej auf der Bruecke, die nach Portugal fuehrt

Dunkle Zeiten (Finisterre-Pontevedra)

Posted on | February 14, 2009 | 2 Comments

Compostelas, Fisterranas, Muxianas… jeweils 2, also 6 Urkunden: Alles Symbole fuer den “abgeschlossenen Weg”. Was ich aber am Ende der Welt erfahren habe ist, dass der “aeussere Weg” nicht zaehlt, wenn ich bei meinem “inneren Weg” noch ganz am Anfang stehe. Und auf einmal hatte ich wertloses Papier in der Hand. Papier, das mir vorgaukelt, ich haette irgendetwas abgeschlossen. Papier, das wollt, dass ich stolz darauf bin. Es wiederte mich an und so verbrannte ich alle Urkunden am Ende der Welt, inklusive dem Pilgerpass. “Mein Weg hat gerade erst begonnen”.

Nach einem laengerem Aufenthalt in Finisterre, voller dunklen Wolken und mentalen, sowie emotionalen Herausforderungen, viel Sturm und Regen, ging es dann genau so weiter Richtung Sueden. Erstmals Richtung Padròn. 3 Hindernisse: 1) Janinas Knie ist sehr angeschlagen und so geht es teilweise nur mit Schmerz vorran. 2) Es stuermt und regnet immernoch und ich habe meine Regenjacke in Finisterre vergessen. 3) Letzten Geldreserven, sowohl bei mir, wie auch bei Janina, so gut wie aufgebraucht.

Nach viel Kaelte und Naesse in Padron angekommen, gingen wir zum Arzt, der Janina ein Paracetamol verschrieb, den wir gerade noch fuer 58 Cents in der Apotheke kaufen konnten. Am Nachmittag in Padron angekommen, erschoepft, wurden wir von Kirchenglocken der Kirche Santa Maria empfangen, woneben auch gleich die Albergue Municipal stand. Dort angekommen verlangte die Hospitalera nach dem Pilgerpass (den ich verbrannt habe), oder zumindest als Beweis, das wir Pilger sind nach der Compostela, Fisterrana, Muxiana,…  Durch einen gluecklichen Zufall, bin ich tatsaechlich noch an einen Pilgerpass gekommen, den ich erstmal etwas preparieren musste, aber am Ende des Abends hatten wir beide warme Betten. Fuer Janina haben wir ebenfalls einen Pilgerpass improvisiert, von dem man zwar klar sieht, dass es eine Faelschung ist, aber das scheint die Hospitaleros nicht besonders zu bekuemmern. Zu unserem Glueck.

Ich fasse es kurz: Durch Sturm, Regen und Dunkelheit ging die Wanderung weiter und der graue Himmel ueber mir versetzte mich jeden Tag ein Stueckchen mehr in eine depressive Stimmung. Dementsprechend gab es viel Streit und Kommunikationsprobleme. Einige male mussten wir auch in einem Zelt schlafen, in dem die Naechte sehr unangenehm waren. In Caldas De Reis angelangt, wurde der Hoehepunkt des disharmonischem Miteinander erreicht und beim Ueberlegen ueber “trennen oder nicht trennen”, verweilten wir 2 Tage in der Stadt. Entschluss: Wir laufen weiter. Die Sachen gepackt, das Gesicht gen Sueden, Pontevedra gerichtet wanderten wir los und wurden von einem Gegenwind von geschaetzter Windstaerke 10 (inklusive Regen und Hagel) begruesst. Ich sang das Gāyatrī, was mir Kraft gab. Bald schon, komplett durchnaesst in einer Bar angekommen, stuerzten sich die Gaeste und Barkeeper auf uns, gaben uns gratis Suppe und ruesteten mich mit warmen, trockenen Klamotten aus, inklusive Regenjacke und wir marschierten weiter. An diesem Tag erlebte ich den starksten Sturm meiner bisherigen Reise. Wir gingen durch Waelder, Feldwege, und sogar nachts die Autobahnen entlang, wurden ab und zu von freundlichen Barkeepern zu einem Kaffee eingeladen (Das Geld war aus). Immer wieder kam mir “Ave Maria” in den Kopf, und verdraengte ein Bisschen meine Dunkelheitsdepression. Eines Abends, als wir (wiedermal) durchnaesst und muede vom Sturm in einer Bar sassen, wieder zu einem Kaffee eingeladen, merkte ich, dass mich die Dunkelheit bald krank machen wuerde. In einer Kirche in Caldas (die ebenfalls Santa Maria hiess) betete ich zu einer grossen Maria-Statue fuer Sonne…

In Pontevedra nachts angekommen, aus der Pilgerherberge verwiesen, weil wir die noetigen 3 € nicht hatten, sassen wir nachts draussen und assen das Essen, das wir uns (wie jeden Tag) aus den Bars und Supermaerkten erfragten (Was wir zu 80% bekommen, da die Menschen in Spanien unglaublich freundlich und verstaendnissvoll sind,… abgesehen von den Hospitaleros der Albergues Municipales). Wir gingen dem Impuls nach, in einer Pension zu fragen, ob wir eine Nacht verweilen duerfen, und dafuer am naechsten Tag etwas in der Bar arbeiten. Der ueberaus freundliche Besitzer sagte, es sei gar kein Problem und zu arbeite braeuchten wir auch nicht. Er fuehrte uns zu einem alten Zimmer. Klein. Zwei Betten. Nur das noetigste, doch das war fuer uns mehr als genug. Als ich mich im Raum umschaute, entdeckte ich eine kleine Skulptur an der Wand haengend und mich mit einem sehr liebevollem und lebendigem Blick anschauend: Santa Maria.

Ich erwachte am naechsten Tag und sah zum ersten mal seit langem: Die Sonne. Strahlender Sonnenschein. Keine Wolke am Himmel. So wie am naechsten Tag, und dem Tag danach, und dem Tag danach,……

Santa Maria

Santa Maria

 

PS: Ich hab gelernt Zigaretten zu drehn.

Andrej am Zigarette drehn

Andrej am Zigarette drehn

Der Anfang (St. Etienne – Santiago de Compostela)

Posted on | February 3, 2009 | No Comments

[Kurzfassung]

 Ich, Florian und Myriam, ein verruecktes Team, machte sich auf die Reise into the middle of no-where.

 

Diese begann in St. Etienne, einer Stadt in Frankreich, ca. 100 km von Le Puy En Velay (und damit dem franzoesischem jakobsweg) entfernt. Die Reise bis Le Puy verlief abenteuerlich, verbunden mit Freuden und Dramen und am Anfang schon gab es physische, psychische und mystische Herausforderungen zu bewaeltigen.

In Le Puy angekommen, schlug Florian seinen eigenen Weg ein, der ihn spaeter nach Irrland fuehren sollte. Ich und Myriam folgten weiterhin den GR 65 – Markierungen. Mal zu zweit und mal alleine hatten wir wunderbare Begegnungen mit wunderbaren Menschen, Orten und Situationen, aber natuerlich auch mit Schmerzen, Kaelte, Hitze, Hunger und Durst. In Figeac stiess Julia dazu, mit der wir einst eine WG teilten, und die Wanderschaft ging weiter durch Berge, Taeler, Waelder und Strassen.

Die Reise durch Frankreich lehrte mich eine Menge Dinge, wie zum Beispiel die Ehrfurcht vor der Maechtigkeit der menschlichen Gedankenkraft, mentale Manifestation, Annehmen und Loslassen. Hier dachte ich bereits ausgelernt zu haben. Doch diese Lektion, so volkommen sie auch schien, zeigte sich bald schon als eine von Millionen, die noch auf mich warten sollten.

In Montcuq kam Rea zu uns. Zu viert wanderten wir bis Moissac, der Heimatstadt meines aktuellen Wanderstockes, wo uns Julia wieder verlies. Zusammen mit Rea und Myriam ging es bis St. Jean Pied De Port, dem Beginn des spanischen Jakobsweges, wo ich mein letztes Geld vom Konto abgehoben habe und ueber die Pyreneen mit Myriam, Rea, Toni und Andi, zwei weiteren geselligen Pilgern, gewandert bin. In Pamplona angekommen, verliess uns Rea und ich ging alleine meines Weges weiter.

Ich traf unglaublich viele wundervolle Begegnungen mit Menschen und Situationen. Trotz dessen, dass ich kein Geld hatte, wurde ich entweder von diesen wunderbaren Menschen gehalten, oder von der Natur, und was sie mir gab. Manchmal gab es auch Arbeit fuer mich, wie z.b. in Calzadilla de la Cueza, oder La Faba und auch gab es Zeiten, an denen ich mit Massagen etwas Geld verdiente. Alles fuegte sich, bis ich schliesslich Santiago de Compostela erreichte. Doch ab hier moechte ich die Bilder sprechen lassen…

St. Etienne

St. Etienne. Der Startpunkt der Reise.

 

Florian

Florian mit uns in Aurec Sur Loire.

 

Andrej in Le Puy En Velay

Andrej in Le Puy En Velay

 

Andrej in den Bergen Frankreichs

Andrej in den Bergen Frankreichs

 

Julia im Fluss

Julia im Fluss

 

Rea und Julia

Rea und Julia

 

Rea in den Pyreneen

Rea in den Pyreneen

 

Myriam in den Pyreneen

Myriam in den Pyreneen

 

Pyreneen

Pyreneen

 

Andrej. Blick auf Navarra

Andrej. Blick auf Navarra

 

Andrej. Carrion de los Condez

Andrej. Carrion de los Condez

 

Andrej. Estella

Andrej. Estella

 

Andrej

Andrej

 

Andrej. Cruz Del Ferro.

Andrej. Cruz Del Ferro.

Die Kueste des Todes (Santiago de Compostela – Muxìa)

Posted on | January 25, 2009 | 4 Comments

Dies ist nicht der Anfang meiner Reise, aber der Anfang dieses Blogs.

 

Hier zu Anfang moechte ich von den vergangenen 7 Tagen berrichten, solange sie mir noch so gegenwaertig sind. Die Reise, zusammen mit Janina, setzte sich fort, wo sie unterbrochen wurde: In Santiago de Compostela. Guthaben: 50 €. Nach 2 Tagen in Santiago, nur noch die Haelfte. Nach dem ersten Tagesmarsch erreichten wir Negreira und uebernachteten in einer Herberge, wo ein junger Baske unser einziger Geselle war. Die folgenden 3 Tage wurden wir von Sturm und Regen begleitet, und zwar durchgehend. Als es daemmerte, kaelter wurde, immernoch goss wie aus Eimern und ich feststellen musste, dass wir noch 12 km von unserem Ziel enfernt waren, sah ich mich einer dieser Herausforderungen gegenueber stehen, auf die ich am liebsten verzichtet haette. Ich, der Hamburg verliess u.a. weil mir das Wetter dort nicht passte; Ich, der die Kaelte und Naesse so hasst; ja, ich fand mich wieder auf einer Strasse, abseits von Zivilisation, durchnaesst von aus den Wolken laufenden Wasserfaellen, starkem Sturm, Kaelte… Es hatte keinen Sinn mehr den Pfuetzen, die man schon fast als Seen bezeichnen koennte, auszuweichen. Schuhe, Socken, Fuesse, ja, alle Klamotten und der noch so versteckteste Quadratcentimeter des Kerpers war durchnaesst…

Apathisch in der herberge angekommen, froh nicht erfroren zu sein, schmissen wir uns unter die Duschen der Herberge und verbrachten anschliessen einen doch noch gemuetlichen Abend, mit dem Brasilianer, Luis, der an diesem Abend mit uns die Herberge teilte.

Am naechsten Tage dann, hatte ch die Idee, meine Regenjacke anzuziehn. Man fragt sich jetzt natuerlich, warum ich sie nicht vorher schon anhatte. Aber wenn man durch einen Ozean schwimmt, dann macht das eine Klampttchen mehr dich auch nicht mehr trockener. Zumindest war das mein Gedanke… Ausserdem habe ich sehr schlechte Erfahrungen mit angeblich wasserdichten Regenjacken gehabt. Bei diesem Wetter sind diese so wasserdicht, wie Watte. Dies bestaetigte auch die (Globetrotter-)Regenjacke von Janina. Doch was ein Wunder: Tatsaechlich hat mich meine Regenjacke die gesammte Strecke durch den Sturm und Regen trocken gehalten, was zufolge hatte, dass ich die Energie, die ich sonst fuer die Koerperwaerme verbraucht habe, nun ins Wandern investieren konnte. Dank sei meiner Jacke (die mir uebrigens der Weg gab).

In Finisterre, Casa Miguel angekommen pausierten wir 2 Tage und setzten die Reise fort nach Muxia. Ein kleiner Hund, der von uns nicht ablassen konnte, folgte uns an diesem Tag bis nach Lires, wo wir die Nacht verbrachten. Am folgenden Morgen ging es weiter, waatend ueber Schlamm und Matsch, suchend in den Labyrinth-artigen Waeldern, springend ueber Fluesse, nach Muxia, ein Dorf, das am Tage unserer Ankunft wie ausgestorben wirkte. Der Himmel grau, wie die Haeuser, Regen, heruntergekommene Viertel, und nicht eine Menschenseele zu sehn. In der protzigen, unsymphatischen Herberge angekommen, dauerte es nicht lange, bis ich mich muede im Bett wiederfand und in einem Streit mit Janina am naechsten Tag.

Dies war auch der Tag, an dem ich mein Quest erfuellt habe [An der Kueste des Todes chanten]. Eine unglaublich schoene und lebensgefaehrliche Erfahrung, da ich direkt nach dem Chanten von einer gigantischen Welle erfasst wurde, die mich ins Meer zerren wollte. Ich weiss nicht, welche Instanz mich festgehalten hat. Ich selbst war es nicht, denn ich konnte mich nicht festhalten, da meine Muskeln wegen dem Kaelteschock verkrampften. Aber ich bin jener Instanz dankbar, die mich gerettet hat.

Natur

Natur

 

Andrej an der Kueste des Todes

Andrej an der Kueste des Todes

 

Finisterre. Das Ende der Welt

Finisterre. Das Ende der Welt

« go back

Admin